Vorherige Seite Nächste Seite Inhalt

4. Geheimtextangriff bei polyalphabetischer Verschlüsselung

Als Beispiel soll eine Vigenere-Chiffrierung gebrochen werden. Hierzu sind zwei Schritte erforderlich: Die Ermittlung der Periodenlänge und das Brechen der einzelnen monoalphabetischen Substitutionen. Die Periodenlänge wird auf eine der oben beschriebenen Weisen ermittelt. Zum Bestimmen der Substitutionen greift man die Gruppe von Zeichen heraus, die mit dem selben Schlüsselzeichen chiffriert wurden. Die Zahl der existierenden Gruppen entspricht der Anzahl von Zeichen des Schlüssels, d. h. der Periodenlänge. Nun werden in jeder Gruppe die Häufigkeiten der einzelnen Zeichen ermittelt. Es gibt 256 denkbare Schlüsselzeichen. Die Auftrittshäufigkeiten eines bestimmten Zeichens in einem Geheimtext sind ähnlich der Auftrittshäufigkeiten in einem verwandten Klartext, nur verschoben. Es geht nun darum, einen mathematischen Ausdruck der Form:

(g0-p0)2 + (g1-p1)2 + ... + (g255-p255)2 = min

in Abhängigkeit einer Verschiebung möglichst klein zu machen. Man hat beispielsweise im verwandten Klartext für den Buchstaben "e" eine Auftrittshäufigkeit von 17%. Jetzt sucht man im Geheimtext nach einer Auftrittshäufigkeit, die möglichst gut mit den 17% übereinstimmt. Man kann dann davon ausgehen, daß es sich auch hierbei um ein "e" handelt. Dieser Vorgang wird für jedes Zeichen wiederholt. Somit wird der oben genannte mathematische Ausdruck minimiert. Es sind gi die Auftrittshäufigkeiten eines verschobenen Geheimtextes und pi die eines verwandten Klartextes. Es werden also alle 256 Möglichkeiten durchprobiert und über den kleinsten Wert des oben erwähnten Ausdrucks wird der Schlüssel ermittelt.


Vorherige Seite Nächste Seite Inhalt